Marmor von der Lahn

Marmor von der Lahn

Ein historisches Projekt zur Natursteingewinnung

Zum Bergbau gehört auch der Bereich der Steine und Erden. Natursteine, Kalk, Sand und Kies mögen auf dem ersten Blick weniger wertvoll und Steinbrüche weniger spannend erscheinen. Diese Materialien waren und sind jedoch ein unersetzlicher Teil unserer Zivilisation. Ohne Mühlsteine gäbe es kein Mehl, ohne Ton keine Keramik, ohne Bausteine keine Burgen und ohne Schotter keine modernen Straßen. Folglich beschäftigt sich die Abteilung Bergbaugeschichte auch mit diesem wichtigen Gewerbe. Im Anschluss an die Arbeiten von Christoph Bartels (Schieferdörfer) und Meinrad Pohl (Mühlsteine, Tuff und Trass aus der östlichen Vulkaneifel) soll im Rahmen eines Dissertationsprojektes ein weiteres Beispiel aus der Branche untersucht werden. Im Mittelpunkt steht diesmal ein Naturstein, der als Bau- und Dekorationsstein verwendet wurde, der sogenannte „Nassauer Marmor“ oder „Lahnmarmor“.

Aus Sicht der Geologen ist dies ein schneid- und polierfähiger Kalkstein, der vor ca. 380 Millionen Jahren aus einem tropischen Riff entstand. Die Vorkommen sind ein Teil des Rheinischen Schiefergebirges und erstrecken sich über einen Streifen von ca. 60 km beiderseits der Lahn. Abgebaut und verarbeitet wurde der „Lahnmarmor“ spätestens seit dem 16. Jahrhundert bis in die 1970er Jahre.
Zeugnisse eines hoch entwickelten „Lahnmarmor“-Gewerbes finden sich in einer Vielzahl von Kirchen und Schlössern, öffentlichen und privaten Gebäuden, auf Plätzen und an Fassaden. Die Palette reicht von den gewaltigen Epitaphien im Mainzer Dom, über die barocke Prunktreppe der Würzburger Residenz bis hin zur kostbaren Ausstattung einiger Wiesbadener Villen und Hotels. Seit dem Ende des 19. Jh. wurde der „Lahnmarmor“ nachweislich exportiert und im 20. Jahrhundert z.B. im Empire State Building in New York verbaut. Aber auch an der Lahn selbst haben sich Spuren erhalten. Viele aufgegebene Steinbrüche sind noch zu finden und belegen den Umfang der Abbauarbeiten.
Dabei bietet Thema bietet einige Besonderheiten. So existierte beispielsweise eine staatlich betriebene „Marmorfabrik“ im Zuchthaus Diez. Diese Einrichtung entwickelte sich zu einem Vorreiter in der Branche und erlangte im 19. Jahrhundert eine starke Stellung. In Quellen finden sich diverse Klagen über die angeblich unüberwindliche Konkurrenz für ‚arme‘ Handwerksmeister und engagierte Privatunternehmer. Dieses Verhältnis gilt es besser zu untersuchen.
Ziel des Projektes ist es, die Entwicklung des Gewerbes von den Handwerksmeistern des Barocks bis zu den großen Fabriken des späten 19. Jahrhunderts zu erforschen. Der Schwerpunkt liegt dabei auf wirtschafts- und sozialgeschichtlichen Fragen. Technikgeschichtliche, umweltgeschichtliche und kunsthistorische Aspekte sollen jedoch nicht außen vor gelassen werden.


Weitere Informationen im Jahresbericht 2012 des Deutschen Bergbau-Museums Bochum


Kontakt

Marion Kaiser

Projektleiter

Dr. Christoph Bartels

Prof. Dr. Helmut Maier (RUB)

Projektträger

Deutsches Bergbau-Museum Bochum