Vom Boom zur Krise: Der deutsche Steinkohlenbergbau nach 1945

Vom Boom zur Krise

Projektleiter: Dr. Lars Bluma
Stellvertretender Projektleiter: Dr. Michael Farrenkopf

Die kulturelle Mentalität sowie die soziale und ökonomische Struktur des Ruhrgebiets sind auch heute noch geprägt durch die Vergangenheit als hochindustrialisiertes „Kohle- und Stahlrevier“. Zukünftigen Generationen bleibt die Verantwortung für die Bewältigung der technischen Herausforderungen des Nachbergbaus an der Ruhr - insbesondere Wasserhaltung - aber auch für die Sicherung, Vermittlung und Erforschung des historischen Erbes des Steinkohlenbergbaus. Durch die Erforschung der historischen Wurzeln der Gewinnung und Nutzung von Steinkohle soll die gesellschaftliche Akzeptanz des Nachbergbaus und der „Ewigkeitsaufgaben“ gefördert werden.

Nach Beendigung des 2. Weltkriegs leiteten alliierte Besatzungsbehörden bis zur Gründung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl, der Montanunion, 1951 den Ruhrbergbau. Mit Inkrafttreten dieses Wirtschaftsverbandes erfolgte eine Integration der deutschen Steinkohlen- und Stahlindustrie in den europäischen Wirtschaftsraum.
Wichtige Entwicklungen des deutschen Steinkohlenbergbaus der 1950er und 1960er Jahre lassen sich mit den Schlagworten Montanmitbestimmung 1951, Vollmechanisierung, Kohlekrise und Gründung der Ruhrkohle AG 1968/69 skizzieren. Das „Satteljahrzent“ der 1960er Jahre markiert den Wandel von einer boomenden Industrie zu einem schrumpfenden Wirtschaftssektor, der jedoch noch lange eine bedeutende Stellung innerhalb des bundesrepublikanischen Wirtschaftssystems behalten sollte. Gerade die Bereiche Bergbautechnik und Montanwissenschaften erreichten eine bis heute anhaltende international führende Stellung: Das gilt für die gesamten technisch-wissenschaftlichen Forschungsleistungen (z.B. die Westfälische Berggewerkschaftskasse, ab 1990 DMT) und für den medizinischen Bereich (z.B. die Knappschaftsversicherung und die Bergbau-Berufsgenossenschaft) des Steinkohlenbergbaus. Dabei zeigt sich eine hohe Anpassungsleistung des Steinkohlenbergbaus an sich verändernde ökonomische und politische Rahmenbedingungen sowie der Wille der Akteure einen „sanften“, solidarischen Strukturwandel zu managen, der mit der Schließung der letzten Zeche an der Ruhr Ende 2018 noch lange nicht beendet ist. Vielmehr wurde die von der Montanwirtschaft geprägte Industrielandschaft des Ruhrgebiets einem grundlegenden Transformationsprozess unterworfen. Dieser umfasste die Ansiedlung neuer Gewerbe und Unternehmen, die Entfaltung einer ausdifferenzierten Forschungs- und Wissenschaftsinfrastruktur und die unter dem Begriff der Industriekultur zusammengefasste Umnutzung ehemaliger Produktionsstätten der Montanwirtschaft.
Der Steinkohlenbergbau nach 1945 war und ist also durch tiefgreifende strukturelle, ökonomische, technische, soziale und auch kulturelle Umbrüche und Transformationen geprägt, die durch je drei Projekte in den Themenlinien Innovationskulturen im Wandel nach 1945 und Transformation von Industrielandschaften erforscht werden.


Themenlinie 1: Innovationskulturen im Wandel nach 1945

Teilprojektleiter: Dr. Lars Bluma

In der ThemenlinieInnovationskulturen im Wandel nach 1945 werden die bergbauspezifischen Innovationsleistungen in den Feldern Technik, Wissenschaft und Unternehmensorganisation/-strategie untersucht. Zentrale These ist, dass der Steinkohlenbergbau eine eigene Innovationskultur hervorbrachte, die eng mit den ökonomischen, sozialen und politischen Rahmenbedingungen verknüpft war. Aufgabe der drei Teilprojekte in dieser Themenlinie wird es sein, zentrale Innovationsfelder und deren Charakteristiken auszumachen. Methodisch wird zu klären sein, ob der Begriff der Innovationskultur eine hinreichende analytische Schärfe aufweist, um ökonomische, technische und wissenschaftliche Innovationen gleichsam betrachten zu können.

Assoziierte Projekte

Themenlinie 2: Transformation von Industrielandschaften

Teilprojektleiter: Dr. Michael Farrenkopf

In der Themenlinie Transformation von Industrielandschaften werden die Konversionsprozesse montanindustriell geprägter Industriereviere unter vorrangig politischen und ökonomischen Gesichtspunkten sowie den daraus abgeleiteten Strategien der (industrie-)kulturellen In-Wert-Setzung untersucht. Zentrale These ist, dass die ökonomische Dimension des sukzessiven Rückzugs des aktiven Steinkohlenbergbaus dem Strukturwandel an der Ruhr eine Pionierrolle bei der Etablierung industriekultureller Transformationsleistungen im nationalen Kontext zugewiesen hat. Diese These soll durch aufeinander aufbauende Vergleichsstudien der westdeutschen, sächsischen und schließlich britischen Steinkohlenreviere geprüft werden. Somit ist vorgesehen, die Rolle und Bedeutung des Steinkohlenbergbaus in Bezug auf die Ausprägung industrieller Kulturlandschaften im UNESCO-Welterbe zu historisieren.

Assoziierte Projekte


Veranstaltungen


Projektleiter

Dr. Lars Bluma

Stellvertretender Projektleiter

Dr. Michael Farrenkopf

Projektträger

Deutsches Bergbau-Museum Bochum

Förderung

RAG-Stiftung

Kooperationspartner

Ruhr-Universität Bochum, Historisches Institut und Institut für soziale Bewegungen

TU Bergakademie Freiberg, Technikgeschichte und Industriearchäologie

Aktuelles aus dem Projekt

  • Boom – Crisis – Heritage: Internationale Fachtagung am DBM

    Boom - Crisis - Heritage.
    Foto: montan.dok/DBM

    Vom 14. bis 16. März 2018 veranstalten der Forschungsbereich Bergbaugeschichte und das Montanhistorische Dokumentationszentrum die englischsprachige Tagung "Boom – Crisis – Heritage. King Coal and the energy revolutions after 1945”. Das Programm ist nun online. Anmeldungen sind bis zum 16. Februar 2018 möglich.

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  • Call for papers: Boom – Crisis – Heritage. King Coal and the energy revolutions after 1945

    news-2017-07-24
    Foto: Helena Grebe

    Vom 14. bis 16. März 2018 findet im Rahmen des DBM-Projekts "Vom Boom zur Krise: Der deutsche Steinkohlenbergbau nach 1945" eine internationale Fachtagung statt. Vortragsangebote für die Tagung werden bis zum 31. August 2017 erbeten. Weitere Informationen entnehmen Sie bitte dem Call for Papers.

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  • Vom Boom zur Krise: Der deutsche Steinkohlenbergbau nach 1945

    Foto: Lena Asrih

    2. Workshop

    Am 6. und 7. September trafen sich die Mitarbeiter/innen des von der RAG-Stiftung finanzierten Forschungsprojekts „Vom Boom zur Krise: Der deutsche Steinkohlenbergbau nach 1945“ mit den Kooperationspartnern der Ruhr-Universität Bochum und der TU Bergakademie Freiberg im Haus der Geschichte des Ruhrgebiets zum zweiten Projektworkshop. Dieser ist Bestandteil einer Reihe von Workshops, die in den kommenden Jahren fortgesetzt wird, und die sich als Beitrag zur Etablierung einer strukturierten Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses am DBM versteht.

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