Prozessrekonstruktionen zur spätbronzezeitlichen Kupferverhüttung in den Südalpen

Prozessrekonstruktionen zur spätbronzezeitlichen Kupferverhüttung in den Südalpen
Ufficio beni archeologici PAT

Die bislang durchgeführten Forschungen der letzten Jahrzehnte in der autonomen Provinz Trient (Südalpen, Italien) bezeugen eine intensive prähistorische Kupferproduktion, die in weiten Teilen an das Ende der Bronzezeit datiert werden kann. Mehr als 200 Verhüttungsplätze (Arbeitsbereiche mit Verhüttungsöfen, Röstbetten, Steinwerkzeugen) wurden bislang gefunden. Um Informationen über den noch immer weitestgehend unbekannten und kontrovers debattierten Schmelzprozess zu erhalten, wird im Rahmen der Arbeit zunächst ein Überblick über die aktuellen Grabungen gegeben, und anschließend in einem archäometallurgischen Teil der Fokus auf die Schlacken, insbesondere die Plattenschlacken, gelegt. Dieser Typ von Schlacke, der sich an älteren Verhüttungsplätzen nicht finden lässt, scheint ein Indikator einer technologischen Veränderung, aber auch einer Veränderung der chaîne opératoire zu sein, die sich in der letzten Phase der Bronzezeit vollzogen zu haben scheinen.

Die Forschungen zur spätbronzezeitlichen Kupfergewinnung in den Südalpen, welche in den 1980’er Jahren vom Deutschen Bergbau-Museum Bochum und dem Ufficio Beni archeologici della Provincia autonoma di Trento (Bodendenkmalbehörde der Provinz Trient) begonnen wurden, haben den Nachweis einer intensiven Ausbeutung der lokalen Lagerstätten in vorgeschichtlichen Zeiten nachweisen können.

Zwei Doktorarbeiten wurden bislang zu dem Thema an der Ruhr-Universität Bochum, in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Bergbau-Museum Bochum, verfasst: eine im Jahre 2003 im Bereich der Naturwissenschaften, eine weitere im Jahre 2008 in der Prähistorischen Archäologie. Über 200 Verhüttungsplätze wurden kartiert. Auf der Basis der vorangegangenen Arbeiten werden die Forschungen zurzeit im Rahmen dieser Doktorarbeit fortgeführt und ausgebaut.

In den letzten Jahren wurden eine Reihe weiterer bronzezeitlicher Verhüttungsplätze vom Ufficio Beni archeologici ausgegraben. Sie bereichern unser Wissen um Technologie, Techniken und die Arbeitsorganisation beträchtlich. Als Verhüttungsplätze werden solche Arbeitsareale angesprochen, die üblicherweise in den Bergen, in unmittelbarer Nähe zu Erzlagerstätten und Wasserquellen gelegen, typische Installationen wie Verhüttungsöfen, oftmals Röstbetten, sowie weitere Werkbereiche aufweisen. Typische Funde sind Steingeräte und Mahlsteine sowie massive Anhäufungen von Schlacken.

Die Doktorarbeit zielt auf die Beleuchtung eines Forschungsdesiderates der südalpinen Archäometallurgie ab: die Entstehung der so genannten Plattenschlacken. Die Arbeit ist in zwei Teile unterteilt: Der erste Abschnitt zielt auf die archäologische Beschreibung der in den letzten Jahren gefundenen Verhüttungsplätze ab; der zweite Teil der Arbeit nähert sich mit archäometallurgischen Ansätzen den von verschiedenen Fundplätzen stammenden Plattenschlacken. Hierzu wurden zahlreiche Dünnschliffe angefertigt, und sowohl mit dem Polarisationsmikroskop als auch mit dem REM (Rasterelektronenmikroskop) untersucht, um sowohl die Gesamtzusammensetzung, als auch die Zusammensetzung in verschiedenen Bereichen derselben Schlacke zu analysieren. Die an zahlreichen Schlacken durchgeführten Untersuchungen erlauben Aussagen zur Entstehung der Schlacken und auf dieser Basis zu den Bedingungen in den Verhüttungsöfen, der Geschwindigkeit der Auskühlung der Schlacke, bis hin zur Zusammensetzung und Provenienz der Erze.


Zugehöriges Teilprojekt

Prähistorische Kupferproduktion in den südlichen Alpen, Region Trentino Orientale


Dissertation

Elena Silvestri

Projektträger

Deutsches Bergbau-Museum Bochum, Forschungsbereich Archäometallurgie

Kooperationspartner

Ufficio beni archeologici – Soprintendenza per i beni culturali della Provincia autonoma di Trento (Bodendenkmalpflege Trentino)

Förderung

Deutsches Bergbau-Museum Bochum

Ufficio beni archeologici – Soprintendenza per i beni culturali della Provincia autonoma di Trento (Bodendenkmalpflege Trentino)

Laufzeit

seit 2011



Veröffentlichungen

  • E. Silvestri, P. Bellintani, F. Nicolis, M. Bassetti, S. Biagioni, N. Cappellozza, N. Degasperi, M. Marchesini, N. Martinelli, S. Marvelli & O. Pignatelli, New excavations at smelting sites in Trentino, Italy: archaeological and archaeobotanical data. In: A. Hauptmann & D. Modarressi-Tehrani (Hrsg.), Archaeometallurgy in Europe III. Proceedings of the 3rd International Conference, Deutsches Bergbau-Museum Bochum. Der Anschnitt 26, 2015, 369-376.
  • E. Silvestri, A. Hauptmann, P. Bellintani, E. Mottes & F. Nicolis, Bronzezeitliche Kupferverüttung in Trentino. In: T. Stöllner & K. Oeggl (Hrsg.), Bergauf Bergab. 10.000 Jahre Bergbau in den Ostalpen. Deutsches Bergbau-Museum Bochum, Bochum 2015, 201-208.
  • E. Silvestri, P. Bellintani, E. Mottes & F. Nicolis, Evidence of mining without mines: smelting activity during the Bronze Age in Trentino. In: J. Silvertant (eds), Research and preservation of ancient mining areas. Acts of the 9th International Symposium on archaeological Mining History (Trento, 2014). Yearbook of the Institute Europa Subterranea, Trento/Valkenburg aan de Geul 2014, pp. 88-103.
  • E. Silvestri, P. Bellintani & A. Hauptmann, Investigation of plate slags from the southern Alpine area. In: S. Greiff, F. Schlütter & M. Prange (Hrsg.), Archäometrie und Denkmalpflege. Kurzfassungen. Metalla Sonderheft 5, 2012, 127-129.