Getrenntes Bewahren – Gemeinsame Verantwortung (GBGV)

Foto: Stefan Siemer, DBM

Aufbau eines Informationszentrums für das Erbe des deutschen Steinkohlenbergbaus

Projektleiter: Dr. Michael Farrenkopf

Der deutsche Steinkohlenbergbau hat über Jahrhunderte ganze Landschaften unübersehbar geprägt. Dabei gilt den materiellen Hinterlassenschaften als wichtigen und erhaltenswerten Zeugnissen vergangener Lebens- und Arbeitswelten besondere Aufmerksamkeit. Es sind vor allem die Museen, die dieses Objekterbe des Steinkohlenbergbaus in allen seinen unterschiedlichen Facetten überliefern und zugänglich machen. Doch eine Bewertung des Umfangs und der Qualität dieser Überlieferung fehlt bislang. Das Projekt „Getrenntes Bewahren – Gemeinsame Verantwortung“ (GBGV) ging von Ende 2014 bis Anfang 2017 dieser Frage aus zwei unterschiedlichen Richtungen nach: Zum einen ging es um die Erfassung des museal bewahrten Bergbauerbes in Deutschland und zum anderen um die Entwicklung neuer Standards in der Erfassung und Dokumentation von Objekten. Die so gewonnenen Erkenntnisse sollten dann in Form eines Internetportals gebündelt und in eine breitere Öffentlichkeit hinein kommuniziert werden.
Seit Februar 2017 führt das montan.dok das mit Mitteln der RAG-Stiftung geförderte Vorhaben „montan.dok 21. Überlieferungsbildung, Beratungskompetenz und zentrale Serviceeinrichtung für das deutsche Bergbauerbe“ durch. Damit werden die Ergebnisse des im Januar 2017 erfolgreich abgeschlossenen Projekts GBGV strategisch weitergeführt.

Teilbereich 1:

Aufbau und Pflege eines Netzwerks externer Sammlungen
(Dr. Stefan Siemer)

Das breite Spektrum der Sammlungen zum Steinkohlenbergbau erstreckt sich von Stadt- und Heimatmuseen über technik- und industriegeschichtlich orientierte Häuser bis hin zu regional verankerten Sammlungen im Umfeld ehemaliger Zechenstandorte und Bergbaureviere. Die Vielfalt an Themen reicht von der Bergbautechnik – beispielsweise in den Bereichen Ausbau, Gewinnung und Förderung – über den bergmännischen Arbeitsalltag bis hin zu Andenken und Souvenirs oder auch Mineralien und Fossilien aus den einzelnen Steinkohlenlagerstätten. Objekte finden sich in Spezialmuseen zum Steinkohlenbergbau, aber auch als Teilsammlungen in Museen zur Kultur- oder Industriegeschichte. Ziel des Teilprojekts ist es, mittels Fragebögen und einer eigens entwickelten Datenbank diese Sammlungsvielfalt zu dokumentieren, zu evaluieren und in ihren thematischen Schwerpunkten zu analysieren. Erst aus dieser Gesamtschau heraus lassen sich Sammlungsbestände untereinander abgleichen, miteinander vernetzen und nicht zuletzt in ihren jeweiligen Eigenarten für eine thematische Recherche aufbereiten. Große Defizite gibt es bislang bei der Dokumentation von Einzelobjekten in kleineren Museen. Mittelfristig ist es daher das Ziel, über eine Vernetzung einzelner Sammlungen und der Bereitstellung von Anleitungen zur Dokumentation diesem Missstand abzuhelfen.

Teilbereich 2:

Optimierung der Sammlungsdokumentation im montan.dok/DBM
(Claus Werner, M.A.)

Mit dem allgemeinen Ziel einer Optimierung der Sammlungsdokumentation verbinden sich konkrete Aufgaben. Zum einen die Entwicklung einer Feinsystematik zum Bereich Steinkohlenbergbau und zum anderen, daran anknüpfend, die Erstellung eines bergbauspezifischen kontrollierten Vokabulars zur Objektbezeichnung. Bezogen auf die Musealen Sammlungen des DBM sollen sie einen in Jahrzehnten entstandenen Wildwuchs in den Datenbanken ersetzen, die interne Dokumentation erleichtern und nicht zuletzt den Zugang für externe Benutzer verbessern. Die Arbeiten basieren auf den weit verbreiteten Hand- und Wörterbüchern zur Bergbautechnik und bereits existierender allgemeiner Sammlungssystematiken. Die Überlegungen gelten dabei konkret der Frage, inwiefern bereits existierende und in Gebrauch befindliche allgemeine Systematiken und Vokabulare um bergbauspezifische Komponenten erweitert werden können.

Teilbereich 3:

Datenstrukturierung, Erfassung und Objektinventarisierung im montan.dok/DBM
(Maren Vossenkuhl, M.A./Anna-Magdalena Heide, M.A.)

Den am Montanhistorischen Dokumentationszentrum (montan.dok) des DBM beheimateten Objektsammlungen widmet sich das dritte Standbein des Gesamtprojekts. Ziel ist die Re-Inventarisierung und Dokumentation bislang vernachlässigter Objektgruppen und von Altbeständen aus dem Bereich der Bergbautechnik. Darunter fallen etwa Bohr- und Abbauhämmer, Gewinnungs-und Vortriebsmaschinen, aber auch Lokomotiven und Grubenwagen. Basis der oft umfangreichen neuen Recherchen zu den Objekten bilden die Bereiche Bergbau-Archiv Bochum und Bibliothek des montan.dok beim DBM sowie vor allem die historischen Inventardokumentationen und Eingangsbücher in den Musealen Sammlungen des montan.dok.


Förderung

RAG-Stiftung

Deutsches Bergbau-Museum Bochum

Kooperation

Bergbausammlungen, Gedächtniseinrichtungen und Museen in Deutschland

Laufzeit

01.11.2014 – 31.01.2017


Veröffentlichungen

  • Michael Farrenkopf: Getrenntes Bewahren – Gemeinsame Verantwortung. DBM/montan.dok erhält Projektauftrag der RAG-Stiftung, in: Forum Geschichtskultur Ruhr 2/2014, S. 61-63.
  • Michael Farrenkopf: Mining Archive at the German Mining Museum, in: Brogiato, Heinz Peter/Kiedel, Klaus-Peter (Hrsg.): Research, Travel, Exploration. The Lifeworlds of the Leibniz Association Archives, Halle/Saale 2014, S. 162.
  • Michael Farrenkopf: Das Montanhistorische Dokumentationszentrum Bochum – Gedächtnis des deutschen Bergbaus, in: Institut für niederrheinische Kulturgeschichte und Regionalentwicklung (Hrsg.): Rhein-Maas. Geschichte, Sprache und Kultur, Bd. 6, Oberhausen 2015, S. 162-171.
  • Michael Farrenkopf: „Das Ding mit dem Dingelchen“. Der Flottmann-Bohrhammer, in: Ralf Piorr (Hrsg.): Flottmann. Eine Geschichte des Reviers, Essen 2015, S. 56-63.
  • Michael Farrenkopf/Stefan Siemer: DBM/ montan.dok und der Leibniz-Forschungsverbund Historische Authentizität, in: DER ANSCHNITT 68, 2016, S. 242-248.
  • Michael Farrenkopf/Stefan Siemer: Getrenntes Bewahren – Gemeinsame Verantwortung: Der Aufbau eines Informationszentrums für das Erbe des deutschen Steinkohlenbergbaus, in: Dominik Kimmel u. a. (Hrsg.): Museen – Orte des Authentischen. Eine Tagung des Leibniz-Forschungsverbunds Historische Authentizität (AT), Mainz 2017 (im Druck).
  • Michael Ganzelewski: Montanhistorisches Dokumentationszentrum (montan.dok) beim Deutschen Bergbau-Museum Bochum, in: Stefan Schulz/Karl-Ludwig Elvers (Red.): POP UP! boscol. Begleitheft zur Ausstellung im Blue Square Bochum, 01.10 – 07.11.2015, Bochum 2015, S. 1-8.
  • Tabea Malinowski: Der Lauf der Zeit – Bergmännische Taschenuhren aus dem Bestand des montan.dok, in: Forum Geschichtskultur Ruhr 2/2015, S. 46-47.
  • Thomas Obländer/Stefan Siemer: Leibniz-Forschungsverbund „Historische Authentizität“. montan.dok beteiligt sich an Mainzer Tagung und Tübinger Forschungsprojekt, in: montan.dok-news 2, 2016, Heft 1, S. 5.
  • Stefan Przigoda/Stefan Siemer: Getrenntes Bewahren – Gemeinsame Verantwortung. Neues Webportal, in: montan.dok-news 2, 2016, Heft 2, S. 5-6.
  • Stefan Siemer: Getrenntes Bewahren – Gemeinsame Verantwortung. Ein Besuch im Bergarbeiterwohnmuseum in Lünen-Brambauer, in: montan.dok-news 1, 2015, Heft 1, S. 4.
  • Stefan Siemer: Projekt „Getrenntes Bewahren – Gemeinsame Verantwortung. Aufbau eines Informationszentrums für das Erbe des deutschen Steinkohlenbergbaus“ hat seine Arbeit aufgenommen, in: Forum Geschichtskultur Ruhr 1/2015, S. 47-48.
  • Stefan Siemer: Rezension zu Ralf Piorr (Hrsg.): Flottmann. Eine Geschichte des Reviers, in: DER ANSCHNITT 68, 2016, S. 123-124.

Aktuelles aus dem Projekt

  • Tagungsrückblick: Perspektiven des Bergbauerbes im Museum

    Foto: Helena Grebe

    Vom 16. bis 18. November 2017 lud das montan.dok zu einer wissenschaftlichen Tagung nach Bochum in das Studierendenzentrum der THGA: Die Tagung bilanzierte das von der RAG-Stiftung geförderte Forschungsprojekt „Getrenntes Bewahren – Gemeinsame Verantwortung“ (GBGV) und warf zugleich einen Blick in die Zukunft bergbaulicher Sammlungen und Sammlungskonzepte nach 2018.

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  • Warum muss ein Walzenschrämlader ins Netz? Podiumsgespräch zu Bewahren und Vermitteln des Steinkohlenerbes

    Foto: Helena Grebe

    Das Montanhistorische Dokumentationszentrum (montan.dok) am Deutschen Bergbau-Museum Bochum (DBM) lädt am 16. November um 18.30 Uhr zu einem öffentlichen Podiumsgespräch ein: Gemeinsam mit Bärbel Bergerhoff-Wodopia, RAG-Stiftung, und Prof. Dr. Dr. Franz-Josef Brüggemeier, Universität Freiburg, geht Dr. Michael Farrenkopf, Leiter des montan.dok, unter anderem der Frage nach, ob bergbauliches Kulturerbe nur im Museum zu bewahren ist. „Bergbauerbe 2.0 – oder: Warum muss ein Walzenschrämlader ins Netz?“ findet im Studierendenzentrum der Technischen Hochschule Georg Agricola in Bochum statt. Der Eintritt ist frei.

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  • „Perspektiven des Bergbauerbes im Museum“ – wissenschaftliche Tagung des montan.dok

    Foto: Helena Grebe

    Vom 16. bis 18. November lädt das Montanhistorische Dokumentationszentrum (montan.dok) Wissenschaftler unterschiedlicher Disziplinen und Museummitarbeitende zu einer wissenschaftlichen Tagung nach Bochum: Die Tagung bilanziert das Forschungsprojekt „Getrenntes Bewahren – Gemeinsame Verantwortung“ und wirft einen Blick in die Zukunft bergbaulicher Sammlungen und Sammlungskonzepte nach 2018. Veranstaltungsort ist das Studierendenzentrum der Technischen Hochschule Georg Agricola in Bochum, die Anmeldefrist läuft bis zum 23.10.2017.

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